Magdalena (2011)

Von: Magdalena (2011)

Ich hatte damals nur einen Wunsch: In Amerika zu studieren. Das Land war mir bereits von einem Schüleraustausch in der elften Klasse bekannt und aus diesem Grund war ich mir sehr sicher, dass ich diesen Schritt gehen möchte. Meine Eltern waren froh, dass ich wusste was ich machen will und haben keinen Moment gezögert und mich bei diesem Vorhaben unterstützt. Natürlich macht nicht jeder diese Erfahrung, von daher empfand ich es für recht schwierig gute Informationen zu finden. Eine Seite im Internet, welche mir nach längerem Suchen aufgefallen ist, war die Seite von International Doorway. Ich recherchierte Tag und Nacht und las alle Einträge dieser Homepage. Was ich las, gefiel mir. Ein paar Tage später präsentierte ich mein Vorhaben meinen Eltern, welche zuerst recht skeptisch waren. Da ich jedoch so davon überzeugt war, dass es klappen würde fuhren wir zu einem Informationstermin und wurden bei International Doorway beraten. Es war allerdings fast zwei Jahre vor meinen Abiprüfungen und damit zu früh mich zu bewerben.

Ich vollendete mein Abitur und im Januar des Jahres, fünf Monate vor den Abiprüfungen, hatte ich ein zweites Gespräch mit International Doorway, bei dem ich den Vertrag unterschrieb. Danach mussten einige Unterlagen ausgefüllt werden, was mir manchmal große Schwierigkeiten machte, doch die Mitarbeiter von International Doorway waren stets sehr hilfreich und schließlich bekam ich einen Platz an der von mir ausgesuchten Uni. Nicht nur das Gefühl beim Unterschreiben des Vertrags, sondern auch als ich Post von der Uni bekam, in dem sie mich, wie im Fernsehen, zur Aufnahme beglückwünschten, werde ich nie vergessen.

Der Stress war vorbei. An die Unterlagen, Gespräche, den Toefl Test und alle anderen Vorbereitungen dachte ich nicht mehr. Mein einziger Gedanke war: Ich studiere in Amerika. Im Gegensatz zu den meisten Mitschülern in meiner Stufe wusste ich schon sehr früh was und wo ich studieren werde. Wenn mich jemand fragte, ob ich schon wüsste was ich nach der Schule mache sagte ich immer: Ja ich studiere International Business an der Lindenwood University in St. Charles, Missouri. Die meisten Leute waren sehr überrascht, dass ich schon meinen Studienplatz hatte und genau wusste was ich machen werde. Viele sagten das dies sehr cool, aber auch sehr mutig sei, doch ich wusste, dass es für mich das Richtige ist und das ist das Wichtigste.

Natürlich habe ich im Internet und überall nach Bildern und Informationen über die Uni und die Gegend gesucht, doch alles, was ich gelesen habe und all die Bilder, die ich gesehen habe drücken nicht das aus, wie es wirklich ist. Am ersten Tag bin ich mit drei anderen internationalen Studenten, die ich schon vorher kennen gelernt habe zur Uni gefahren. Es war überwältigend, aber auch ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Wir waren alle sehr aufgeregt und schon in der Schlange beim Einschreiben hat man Gesichter gesehen, mit denen man jetzt täglich zu tun hat und die einem mittlerweile richtig wichtig geworden sind.

Die ersten Tage waren echt cool, aber man war nur unter nationalen Studenten, weil die anderen erst eine Woche später angereist sind. Beim Auspacken der Möbel und Klamotten sahen die Amerikaner so aus wie in den Filmen und ich dachte nur: Ich bin aufm College! Die Sprache war für mich kein Problem, wobei man bei Witzen oft nicht mitlachen konnte. Nicht nur in den Kursen, sondern auch durch Aktivitäten die angeboten wurden hat man sehr schnell Anschluss gefunden und Amerikaner sind auch schnell auf einen zugegangen und haben sich mit dir angefreundet. Bisher war es eine sehr tolle Erfahrung.

Das erste Semester ist um und zurück in Deutschland merkt man erst einmal die ganzen Unterschiede. Die Dorm rooms sind in den alten Gebäuden zwar gemütlicher, jedoch im Sommer sehr heiß und im Winter sehr kalt. In den neuen Gebäuden kennt man jedoch die wenigsten Leute, weil jeder mehr oder weniger für sich alleine lebt. In den Freshman Dorms wird viel mehr Wert auf Bekanntschaften innerhalb des Dorms gelegt, was mir recht gut gefällt. Das Wichtigste ist jedoch: Egal in welchem Dorm man lebt, man muss sich immer das Beste draus machen, weil es für die meisten das erste mal ist, dass man ein Zimmer teilen muss. Dies war für mich auch erst recht schwierig, mittlerweile jedoch recht normal. Doch Ruhe bekommt man selten und Zeit für sich ist sehr kostbar geworden.

In der Umgebung ist zwar nicht sehr viel los, aber von der Uni wird einiges auf dem Campus angeboten und einige Restaurants, Bowling und Kino sind recht nahe gelegen, doch ein Auto ist auf jeden Fall sehr hilfreich, um mal in die Stadt zu kommen. Viele Amerikaner sind jedoch auch sehr hilfsbereit falls man mal irgendwo hin muss. Es gibt immer einen Weg. Ansonsten kann man die Zeit, wenn man nicht am Lernen ist, auch im Fitness Center oder im Spiele- und Fernseherraum verbringen. Am Wochenende sind oft Theaterstücke oder Konzerte im Theater zu sehen. Es wird also an sich nie langweilig. Freitag und Samstag werden Filme im Lindenwood Kino auf dem Campus gezeigt, der Eintritt ist frei.

Mir persönlich gefällt besonders gut, dass es viele Dinge gibt, die man machen kann, doch ab 1 Uhr nachts ist meistens nichts mehr los, auch nicht am Wochenende. Es gibt Main Street, wo einige Feiermöglichkeiten sind, doch leider ist der Eintritt erst ab 21 Jahre. Man macht also eher was Ruhiges mit Freunden oder geht auf Frat-Parties, die ab 18 Jahre sind. Einige Clubs etwas weiter weg sind ebenfalls ab 18. Mir gefällt das Musikdepartement sehr gut. Es gibt viele Angebote um kreativ zu sein. Instrumenten- und Gesangsunterricht werden angeboten und verschiedene Musikgruppen sind vorhanden denen man angehören kann. Auch Modedesign und Kunst ist wählbar. Das Gebäude ist wunderschön und die Lehrer sind super nett. Nicht nur die Musiklehrer, sondern die meisten anderen Lehrer sind ebenfalls sehr nett. Ich bin bisher mit allen sehr gut klar gekommen.

Viele Lehrer verstehen auch die Schwierigkeiten der internationalen Studenten sehr gut, sodass sie diesen nach dem Unterricht gerne vereinzelte Dinge nochmal erklären. Es sind recht viele internationale Studenten auf der Lindenwood, sodass man sehr viele andere Kulturen und Sprachen kennen lernt. Oft sind internationale Studenten auch mit anderen internationalen Studenten in einem Zimmer.

Das amerikanische Schulsystem ist zwar anders als in Deutschland, doch komme ich bisher sehr gut damit klar. Ab dem zweiten Semester kann man sich die Zeiten und Fächer selber aussuchen, d.h. Wenn das Fach um verschiedene Uhrzeiten angeboten wird und in beiden noch Platz ist kann man sich aussuchen, ob man lieber morgens oder mittags Unterricht hat. Man hat meistens 5 oder 6 Fächer was es echt überschaubar macht und für deutsche Verhältnisse ist es nicht viel Unterricht. Von daher bleibt oft noch freie Zeit. Ich würde allerdings jedem empfehlen in Clubs einzutreten oder Sport zu treiben, um Leute kennen zu lernen. Es macht echt Spaß. Weniger Spaß macht das Work and Learn. So gut wie jeder Student macht dies. Die meisten helfen in den Cafeteria oder sorgen draußen für Ordnung. Manche sitzen im Dorm und tragen ein, wer Besuch hat, manche sind in verschiedenen Büros tätig oder spielen in der Marching Band. Es gibt verschiedene Jobs, die durch das Work and Learn Programm vergeben werden. Man bekommt dafür $1200 im Semester an Studiengebühren gut geschrieben (im Scholarship enthalten). Man arbeitet 10 Stunden die Woche. In meinen Augen eine gute Sache, da man als Student so Geld sparen kann, bei seinem Job Leute kennen lernt, das Unigelände immer sehr gepflegt ist und man lernt eine weitere Verpflichtung zu haben.

Das Essen ist an sich ganz okay. Es gibt eine alte Cafeteria, in der man Buffet morgens, mittags und abends hat und so viel essen kann wie man will. Außerdem gibt es einen Coffeeshop, in dem es Süßkram und verschiedene Kaffeesorten gibt und eine andere Cafeteria, in der man sich ein Menü aussuchen kann (mexikanisch, chinesisch, italienisch oder amerikanisch). Für Lunch kann man sich auch was einpacken lassen. Man verhungert also nicht.

Für meine Zukunft hat mir das Semester an der Lindenwood University schon viel gebracht und ich bin mir sicher, dass die nächsten Semester dort auch gut werden. Nicht nur für meine Person, sondern auch für meine berufliche Zukunft. Ich habe Vieles gelernt und bin mir nun sehr viel sicherer was ich gerne später machen würde. Außerdem habe ich Bekanntschaften mit wichtigen Leuten gemacht und bin Gruppen beigetreten, die sich viel über mein Fach unterhalten und man viel lernen kann und auch Leute überall in den USA kennen lernt. Auf dem Lebenslauf sieht das sehr gut aus.

Ein Studium in Amerika kann ich nur weiter empfehlen. Jedoch muss man ein Mensch sein, der nicht schnell Heimweh bekommt und auf sich alleine gestellt sein will und kann, denn es sind viele Dinge, die man selber regeln muss. Manchmal muss man sich auch durchsetzen können und auch die Sprache ist dabei sehr wichtig. Also wer selbstbewusst ist und die Sprache einigermaßen drauf hat sollte es auf jeden Fall wagen. International Doorway gibt jedem eine sehr gute Chance einen Platz an einer vernünftigen Uni zu bekommen. Wer diese Chance nicht nutzt ist selber Schuld. Mir hat International Doorway das Studium in Amerika ermöglicht, wofür ich sehr dankbar bin!